Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt

Die „alte“ Weißenhorner Kirche stürzte am 22. Februar 1859 während der 6-Uhr-Frühmesse ein. Nach dem Einbruch eines Pfeilers waren Mittelschiff und rechtes Seitenschiff in einen Trümmerhaufen verwandelt. Elf Tote und viele Verletzte versetzten die Stadt in Schrecken. Die Jahre danach waren gekennzeichnet vom Ringen um ein Konzept zum Wiederaufbau oder zum völligen Neubau, wobei man sich letztlich für einen Neubau entschied. Nach der Übernahme von Altären und Kanzel in die Interimskirche stand die leere Ruine der „alten“ Kirche noch bis zu ihrem 1863 erfolgten Abbruch. Der Neubau begann und am 1. Mai 1865 erfolgte die Zeremonie der Grundsteinlegung. Einige Jahre gingen in die Lande und im November 1869 konnte die Gemeinde in ihre neue Kirche einziehen.

Durch die Vorgabe, beim Neubau  für 2.000 Kirchgänger Platz zu schaffen, statt bisher für nur 600 Kirchgänger,  erreichte die neue Kirche den dreifachen Umfang. Der neue Kirchturm misst 70 Meter Höhe.

Die Weißenhorner Kirche steht in der Tradition der mittelalterlichen Hallenkirchen mit drei gleichhohen Schiffen. Die Gewölbe werden getragen von hohen, sehr schlanken „gotischen“ Säulen.

Die sechs Gewölbe des Mittelschiffes und die Apsis wurden nach einem von Stadtpfarrer Hitzler durchdachten Programm mit Fresken ausgemalt durch Hugo Barthelme. Die Deckenbilder von Hugo Barthelme sind Hauptwerke der spätnazarenischen Münchner Malerei.

An den östlichen Querhauswänden sind Meisterwerke von Andreas Müller. Sie wurden mehrere Jahre nach der Altarweihe in den Jahren 1875-1877 geschaffen.

Bei der Altarausstattung mit Hochaltar und vier Seitenaltären entschied man sich für den neuromanischen Stil und beauftragte den Augsburger Joseph Hieber. Der kompakte, fast 10 Meter hohe Hochaltar hat einen sechssäuligen Aufbau mit zentralem, rundbogigem Altarbild und fällt auf durch seinen dreieckförmigen Giebel mit Zwerggalerie und Nischen.

Die beiden Seitenaltäre am Chorbogen sind der Hl. Anna und dem Vesperbild (Maria mit dem Leichnam Christi) geweiht. Auch diese Altäre sind neuromanisch, jedoch viersäulig. Von den ehemals zwei äußeren Altären in den Querarmen ist nur der Barbaraaltar am südlichen Querhauspolygon erhalten (mit einem sehr guten Konrad-Huber-Gemälde).

Das Chorgestühl (Eichenholz) beidseitig der Sakristeitüren stammt von Konrad Kunzmann.

Vierzehn Terrakottareliefs (Kreuzwegstationen) an den Außenwänden der Seitenschiffe stammen von Anton Ganser (um 1870).

Im südlichen Querarm befindet sich die Kreuzigungsgruppe mit spätgotischem Kruzifixus und Begleitfiguren Maria und Johannes.

Der neugotische Taufstein von 1870 wurde aus Sandstein gefertigt.

Als 1997 erste Überlegungen bezüglich einer notwendig gewordenen Kirchenrenovierung angestellt wurden, konnte niemand ahnen, dass die unterschiedlichen Maßnahmen wie Dachsanierung, Außenanstrich, Rekonstruktion der Innenraumfassung, Neugestaltung der liturgischen Orte und Orgelneueinbau über 7 Jahre dauern und insgesamt fast 2,5 Mio Euro verschlingen würden. Man war sich bei dieser Renovierung schnell einig, dass die bei der vorherigen Renovierung (1946/49) entfernte Originalfassung wieder hergestellt werden sollte, um das in Schwaben bedeutende Werk des Historismus in seiner Einheit zu zeigen.

 Die Orgel war von  G.F. Steinmeyer, Oettingen im Ries, als Opus 1965 im Jahre 1959 erbaut worden für den Großen Saal der Staatlichen Hochschule für Musik in München. Sie prägte dort fast 40 Jahre die Ausbildung in der Kirchenmusik, wurde dort nach Umbau in den 1980er Jahren schließlich aufgegeben und eingelagert, bis sie – wiederentdeckt- zur Überlassung nach Weißenhorn freigegeben wurde. Der Wiedereinbau dieser ehemaligen Wandnischenorgel erfolgte nunmehr als auf der Empore freistehendes Instrument. Die Orgelweihe fand am 17. Oktober 2004 statt. 

 
Kirchturm der Stadtpfarrkirche

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



Altar der Stadtpfarrkirche